Schwarzplan Neubau Rathaus Kupferstadt Stolberg

Neubau Rathaus Kupferstadt Stolberg

nichtoffener Wettbewerb 2025

Mitarbeitende: Johanna Ponstein

Ort: Kupferstadt Stolberg

Auslober: Kupferstadt Stolberg

Objekttyp: Staatliche und kommunale Bauten

Fläche: 7.300 m2

Bild: VIZE

Der Entwurf für das neue Rathaus wird in der gewachsenen Stadtstruktur der Stolberger Altstadt verankert: Durch die Aufnahme der Blockstruktur zwischen An der Krone, Rathausstraße und Kaiserplatz sowie die gewählte Dachform mit Übernahme der Traufhöhen des bestehenden Rathauses fügt sich der Neubau harmonisch in den Stadtraum ein. Die städtebauliche Setzung und Ausformulierung des neuen Bauvolumens erhält die städtebauliche Konfiguration zwischen Kaiserplatz und historischem Rathaus. Der Neubau tritt gegenüber dem alten Rathaus und seiner Adresse nicht in Konkurrenz, sondern ergänzt die städtebauliche Situation sinnfällig. Zwischen Alt- und Neubau wird ein transparenter, öffentlicher Raum aufgespannt - eine lichte Halle, die als öffentliches Forum im Zentrum der neuen Anlage fungiert und von den historischen Kupferhöfen Stolbergs inspiriert ist. Die metallische Fassade des Neubaus vereint regionale Identität mit zirkulärer Bauweise und trägt so zur ganzheitlichen Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.

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Städtebauliche Verankerung

Das Bild der Stolberger Altstadt wird weniger durch einzelne Solitärbauten geprägt, sondern gewinnt seinen besonderen Reiz aus der dichten Gruppierung von Einzelhäusern in geschlossener Blockrandbebauung. Aus den entstehenden Zwischenräumen entstehen spannende, qualitätvolle Stadträume, die den Menschen immer wieder neue, abwechslungsreiche Perspektiven bieten, die das historische Stadtgefüge lebendig und anschaulich erlebbar machen.

Der Entwurf für das neue Rathaus wird in dieser vielschichtigen städtebaulichen Stadtstruktur verankert. Das Neubauvolumen wird behutsam in die Struktur der Stadt eingefügt, ohne, dass dabei dessen übergeordnete Bedeutung und Größe verleugnet wird. Dabei wird die Blockstruktur zwischen An der Krone, Rathausstraße und Kaiserplatz weitergeführt. Über diese Gebäudefigur und die gewählte Dachform mit Übernahme der Traufhöhen des bestehenden Rathauses fügt sich das neue Rathaus harmonisch in den städtebaulichen Kontext ein.

Die städtebauliche Setzung und Ausformulierung des neuen Bauvolumens erhält die städtebauliche Konfiguration zwischen Kaiserplatz und historischem Rathaus. Das neue Volumen tritt gegenüber dem alten Rathaus und seiner Adresse nicht in Konkurrenz, sondern ergänzt die städtebauliche Situation sinnfällig. Die beiden Giebelseiten des Neubaus treten durch die Blockstruktur hindurch in Erscheinung und bilden im Zusammenspiel mit den Giebelseiten des Altbaus zwei qualitätvolle Plätze, die als Fortführungen des Kaiserplatzes lesbar sind und als qualitätsvolle Aufenthaltsräume im Bereich der Eingänge des neuen Rathauses dienen.

Architektonisches Konzept

Zwischen dem Neubau und dem historischen Rathaus spannt sich eine zentrale Halle auf - ein städtisches Forum, das Transparenz und Bürgernähe verkörpert. Hier begegnen sich Bürgerinnen, Bürger und Verwaltung auf Augenhöhe. Inspiriert ist dieser Raum von der Typologie der historischen Kupferhöfe, deren Höfe traditionell sowohl als Verteiler als auch als gemeinschaftliche Arbeits- und Begegnungsräume dienten.

Von der zentralen Halle aus wird das gesamte Ensemble über drei gut auffindbare Erschließungskerne erschlossen. Deren Anordnung sorgt für eine klare Wegeführung, kurze Distanzen und eine intuitive Orientierung. Das stärkt nicht nur die Effizienz der Verwaltungsprozesse, sondern trägt auch wesentlich zur Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger bei.

Der differenziert ausformulierte, regelmäßige Fassadenrhythmus sowie die materialgerechte Gestaltung lassen das Gebäude in den schmalen Gassen der Altstadt wie einen Vorhang wirken, der je nach Perspektive sein Erscheinungsbild wechselt. Die Materialisierung der Fassade mit vorgehängten, metallischen Verkleidungen greift die Tradition der Kupferstadt Stolberg auf. Großzügige Fensterflächen sorgen für eine helle, natürliche Belichtung und eröffnen vielfältige Sichtbeziehungen zwischen Innen und Außen. Zugleich sorgen geschlossene Fassadenelemente zwischen den Fensterelementen und im Sturz- sowie im Brüstungsbereich für ein bauphysikalisch angemessenes Verhältnis von geschlossenen und transparenten Fassadenflächen zur Vermeidung zu hoher solarer Einträge.

Erschließung und Funktionalität

Das neue Rathaus ist klar gegliedert und zukunftsorientiert organisiert. Im Erdgeschoss befinden sich publikumsintensive Nutzungen wie Bürgerservice, Front Office, öffentliche Bereiche sowie das externe Meeting-Zentrum. Die Obergeschosse beherbergen die Verwaltungsbereiche, die in nachbarschaftliche Einheiten gegliedert sind - mit Rückzugsräumen, Besprechungszonen und Kommunikationsinseln. Kurze Wege, offene Strukturen, Rückzugsmöglichkeiten und flexible Raumangebote schaffen eine zeitgemäße Arbeitswelt.

Aussenanlagen

Zentrales Leitmotiv ist die Fortschreibung des sogenannten Altstadtteppichs - ein charakteristisches Pflasterbild aus hellen und dunklen Natursteinen, das bereits im angrenzenden Stadtraum prägend ist. Ergänzend werden ortstypische Baumarten wie Linden aufgegriffen und in einer zeitgemäßen Form neu interpretiert. So entsteht ein ruhiger, selbstverständlich wirkender Stadtraum, der die Gestaltsprache der Altstadt fortführt und stärkt.

Der Neubau des Rathauses wird aus Gründen des Hochwasserschutzes angehoben, bleibt jedoch in allen Bereichen barrierefrei zugänglich. Am nordöstlichen Zugang öffnet sich ein kleiner Platz mit Wasserspiel, der auch Raum für eine großzügige Außengastronomie - beispielsweise ein Café - bietet. Ein umlaufendes Wechselspiel aus Pflaster- und Grünstreifen greift die historische Rhythmisierung des Stadtbodens auf und rahmt den Neubau auf zurückhaltende Weise. Innerhalb dieser Flächen sorgen pflegearme, biodivers gestaltete Staudenpflanzungen für ökologische Vielfalt, visuelle Belebung und hohe Aufenthaltsqualität.

Innen- und Außenraum treten über begrünte Innenhöfe in einen direkten Dialog. Durch großzügige Glasfassaden werden die bepflanzten Höfe zum erlebbaren Teil des Gebäudes. Hier, im geschützten Raum, kommen blühende Gehölze mit besonderem Wuchsbild zum Einsatz - die Natur wird so bis ins Innere des Hauses geführt.

Nachhaltigkeit und Materialkonzept

Der Entwurf für das neue Rathaus verfolgt ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept, das weit über energetische Effizienz hinausgeht. Im Zentrum steht die Kreislauffähigkeit der eingesetzten Materialien im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips (C2C): Alle verbauten Stoffe werden hinsichtlich ihrer Rückbaubarkeit und Wiederverwendbarkeit ausgewählt und dokumentiert - das Rathaus wird damit zu einem reversiblen Materiallager der Zukunft.

Urbane Mine

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Urban Mining - der bewussten Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien aus Rückbauprozessen. Elemente wie Metalle, Akustikpaneele, Glaskeramikelemente und die alten Fassadeplatten des bestehenden Hochhauses, die für den Bodenbelag der neuen Rathaushalle verwendet werden sollen, werden in den Neubau integriert und neu interpretiert. Diese Herangehensweise spart nicht nur Ressourcen, sondern verankert das Gebäude auch materiell in der Geschichte des Ortes.